Öffentlicher Kühlschrank gegen Food Waste
Neu steht draussen auf dem Gelände des Alterszentrums Park ein öffentlich zugänglicher Kühlschrank von «Madame Frigo». Dieser dient als Tauschplattform für Esswaren und soll möglichst viele Lebensmittel retten. Neben dem neu lancierten Kühlschrank Projekt setzen sich in Frauenfeld verschiedene Organisationen und Vereine gegen Food Waste ein – darunter auch das Alterszentrum Park.
Nach dem Wocheneinkauf ist der Kühlschrank meist gut gefüllt. Dann ändern sich die Pläne, man isst auswärts oder hat trotzdem mehr Lust auf eine Pizza vom Lieferservice. Die eingekauften Esswaren erreichen ihr Haltbarkeitsdatum und wandern in den Abfall, obwohl sie bestimmt jemand hätte verwerten können. So ging es auch der Frauenfelderin Fabienne Tschanz schon, worauf sie jetzt die Initiative ergriff. Aus ihrer Zeit als Studentin in Zürich kannte sie das Konzept der Kühlschränke von «Madame Frigo» und bringt dieses nun nach Frauenfeld. Sie ist überzeugt, dass das Angebot auch hier gut ankommen wird. Dies würde auch die Stadt freuen, welche das Projekt unterstützt und die Anschaffungskosten für den Kühlschrank übernimmt. «In der Schweiz werden jährlich 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Rund ein Drittel davon wird von Privathaushalten verursacht.» sagt Sabina Ruff, Leiterin Abteilung Sozialraum, dazu.
Obst, Gemüse und Brot aber kein Fleisch
Geniessbare Lebensmittel können rund um die Uhr ins Kühlfach gelegt werden. Natürlich dürfen auch jederzeit Produkte mit nach Hause genommen werden. So kann jeder dazu beitragen, Food Waste nachhaltig zu reduzieren. Gerne gesehen sind Obst, Gemüse und Brot sowie Produkte, die höchstens das Mindesthaltbarkeitsdatum, nicht aber das Verbrauchsdatum erreicht haben. Nicht erlaubt sind Fleisch oder Fisch, Alkohol sowie bereits geöffnete oder verarbeitete Produkte. Sogenannte Kühlschrankgottis und –göttis übernehmen die Betreuung und hygienische Pflege der Schränke. Fabienne Tschanz ist selbst Gotti und sucht noch weitere Unterstützung für regelmässige Kontrollen. «Es ist wichtig, dass der Kühlschrank sauber bleibt und die Produkte, die nicht mehr haltbar sind, entsorgt werden.» Für sie sei dies aber nur ein geringer Aufwand, den sie gerne in Kauf nehme, um andere zu ermutigen.
Gemeinsam gegen Food Waste
Der Kampf gegen Food Waste wird in Frauenfeld sehr ernst genommen. So setzt sich beispielsweise der Verein RestEssBar seit Jahren mit grossem Engagement gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln ein. Gleichzeitig wird Personen mit kleinem oder beschränkten Budget die tägliche Lebensmittelbeschaffung erleichtert. Zu diesem Zweck werden Nahrungsmittel, die nicht mehr verkauft werden, aber deren Verbrauchsdatum noch nicht erreicht ist, gesammelt und an vier Werktagen abends abgegeben. Der Stadtrat würdigte dieses nachhaltige und nachahmungswürdige Projekt im Jahr 2020 mit dem Förderpreis.
In der Halle 5 organisiert der Verein für Soziale Arbeit Thurgau jeden zweiten Samstag den Fair-Shop, wo überschüssige Lebensmitteln von Grossverteilern und Produzenten für einen kleinen Betrag an in finanzielle Not geratene Familien und Einzelpersonen abgegeben werden. Die evangelische und die katholische Kirchgemeinde setzen sich ebenfalls aktiv gegen Food Waste ein. Im gemeinsamen Projekt «Tischlein deck dich» werden beim Grossverteiler ausgemusterte, einwandfreie Lebensmittel jeweils am Donnerstag zu einem symbolischen Preis an bedürftige Menschen abgegeben.
Während in diesen Initiativen eher die günstige Lebensmittelbeschaffung im Vordergrund steht, zielt der Kühlschrank von Madame Frigo klar auf die Verhinderung von Food Waste in privaten Haushalten ab.
Alterszentrum Park vermindert Lebensmittelabfälle
Der Standort des neuen öffentlichen Kühlschranks könnte passender nicht sein. Das Alterszentrum Park vermindert auch selbst den Lebensmittelabfall kontinuierlich, indem Portionengrössen angepasst und die Produktionsplanung verbessert werden. Dazu stehen vorwiegend regionale und saisonale Speisen auf dem Menüplan, die selbst gerüstet werden. Auch in Zukunft will man den Kampf gegen Food Waste weiterführen, innovative Ideen wie ein Sous-Vide-Verfahren zur Regenerierung stehen bereits zur Diskussion, wie Michael Tobler, Leiter Hotellerie im Alterszentrum Park, verrät.